16.08.2013
17:45 Uhr
Weltbilder Auslandsmagazin | EinsPlus

Themen:

  • Russland: Schwulenhass
  • China: Singles auf Partnersuche
  • Brasilien: wo ist Amarildo?
  • Israel: Ultraorthodoxe in die Armee

Moderation: Julia-Niharika Sen

  • Tschechien: Rassismus statt Kinderfreude

Sie wurde von den Boulevard-Medien gefeiert und als "Supermama" bezeichnet: Alexandra Kinova, die diesen Sommer in Prag Fünflinge zur Welt gebracht hat. Seitdem aber ist alles anders. Anstatt einer Hilfswelle und einem Glückwunsch des Präsidenten zu diesem ungewöhnlichen Kindersegen wird das junge Roma-Paar bedroht und auf übelste Weise rassistisch beschimpft. Und mit der Familie alle, die den Eltern der Fünflinge helfen wollen. Der Fremdenhass zieht sich quer durch die tschechische Gesellschaft. Und die junge Familie muss nun um das sichere Leben ihrer fünf Säuglinge bangen, die eigentlich als Sensation der Natur gefeiert werden sollten.

  • China: Date Camp für Singles

Rund 180 Millionen Singles in China sind auf Partnersuche. Der Markt zum Beispiel für Dating-Websites ist rasant gestiegen, aber das Problem ist dadurch nicht kleiner geworden. Denn durch die "Ein-Kind-Politik" des Staates herrscht ein eklatanter Männerüberschuss. Im Date Camp lernen junge Chinesen nun, wie sie flirten, wie sie anbändeln, wie aus dem reinen Kennenlernen mehr werden kann. Frauen und Männer stehen in China unter Druck, denn traditionell hat auch die Familie bei der Partnersuche viel mitzureden - da geht es mehr um Wohlstand, als um Liebesglück. Auf dem wöchentlichen "Heiratsmarkt" in einem Park im Zentrum Shanghais werden Jugendliche auf Fotos offen feilgeboten - ohne, dass diese davon wissen. Frei nach dem Motto: Biete Wohnung und Einkommen, suche Schwiegertochter.

  • Brasilien: Proteste gegen Sicherheitspolizei

"Wo ist Amarildo?", fragen die Demonstranten in Rio de Janeiro und in São Paulo seit Tagen. Ihr Protest richtet sich gegen die Polícia Militar, die militarisierte Sicherheitspolizei. Sie hat Amarildo Dias de Souza, einen Maurer aus Rios Armenviertel Rocinha, Mitte Juli zum Verhör abgeführt. Seither ist er verschwunden. Er wäre nicht das erste Opfer der Polícia Militar, die oftmals im Graubereich agiert. Untersuchungen ihrer Aktivitäten verlaufen meist ergebnislos. Die Proteste gegen die Polizei in Rios Armenvierteln werden zunehmend lauter. Da immer mehr Menschen spurlos verschwinden, fordern die Demonstranten die Abschaffung der Sicherheitspolizei, kritisieren die angebliche Selbstjustiz durch die Polizeikräfte. Unser Reporter hat sich auf die Spurensuche begeben und die verzweifelte Familie von Amarildo getroffen.

  • Israel: Ultraorthodoxe in die Armee

In Israel tobt ein Kulturkampf. Die ultraorthodoxe Minderheit der Haredim (der "Gottesfürchtigen") liegt im Clinch mit der säkularen Mehrheit im Judenstaat. Junge Israelis, Männer wie Frauen, müssen in der Armee dienen, orthodoxe Männer dagegen nicht: ein Privileg aus der Zeit der Staatsgründung. Damals befreite Israels erster Präsident David Ben Gurion die "Gottesfürchtigen" vom Wehrdienst, damit sie sich ausnahmslos ihrem Thorastudium widmen konnten. 1948 waren es 400 Studenten, heute dagegen an die 40.000 Haredim. Sie arbeiten nicht, sondern studieren täglich die Thora, die fünf Bücher Moses. Dabei werden sie ein Leben lang alimentiert und finanziert durch die israelischen Steuerzahler, deren Kinder die Uniform tragen, als Soldaten ihr Land unter Lebensgefahr verteidigen und die Privilegierung der jungen Ultras zunehmend als ungerecht empfinden. Seitdem ein Gesetzentwurf die "Gottesfürchtigen" zum Wehrdienst zwingen will, mobilisieren die Ultraorthodoxen und ihr führender Rabbi, Shmuel Auerbach, die ultraorthodoxe Gemeinde gegen diesen Plan der Regierung Nethanjahu. Zu Kompromissen scheinen die Haredim nicht bereit zu sein. Auch wenn einige wenige junge ultraorthodoxe Männer inzwischen die Armeeuniform tragen - Israel steht mitten in einem Kulturkampf, der einen zentralen Bestandteil seiner religiös definierten Identität in Frage stellt.

Freitag, 16.08.13
17:45 - 18:15 (30 Min.)
Stereo Untertitel für Gehörgeschädigte