• 05.04.2018
      21:00 Uhr
      Profit auf Rezept 45 Min | ARD-alpha
       

      Manfred L. lebte jahrelang sehr gut mit seinem Medikament, einem Blutverdünner. Dann verschrieb ihm sein Internist ein neues Präparat. Der 74-jährige Rentner bekam plötzlich Hautausschlag, schlechte Nierenwerte und Nasenbluten. Auf Anraten seiner Hausärztin Manja Dannenberg setzte er das neue Medikament sofort ab, seitdem ist alles wieder in Ordnung.

      Donnerstag, 05.04.18
      21:00 - 21:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Manfred L. lebte jahrelang sehr gut mit seinem Medikament, einem Blutverdünner. Dann verschrieb ihm sein Internist ein neues Präparat. Der 74-jährige Rentner bekam plötzlich Hautausschlag, schlechte Nierenwerte und Nasenbluten. Auf Anraten seiner Hausärztin Manja Dannenberg setzte er das neue Medikament sofort ab, seitdem ist alles wieder in Ordnung.

       

      Manfred L. lebte jahrelang sehr gut mit seinem Medikament, einem Blutverdünner. Dann verschrieb ihm sein Internist ein neues Präparat. Der 74-jährige Rentner bekam plötzlich Hautausschlag, schlechte Nierenwerte und Nasenbluten. Auf Anraten seiner Hausärztin Manja Dannenberg setzte er das neue Medikament sofort ab, seitdem ist alles wieder in Ordnung.

      Manfred L. hatte seinem Internist vertraut. Was er nicht wusste: Das neue Präparat ist 18-mal teurer als sein altes Medikament. Neue Medikamente, so Kritiker, würden oft mit aller Macht von den Pharmaunternehmen auf dem Markt gedrückt und mithilfe einiger Ärzte den Patienten verschrieben – nicht immer zu deren Vorteil.

      Über den Einfluss von Pharmaindustrie auf die Ärzteschaft berichtet dieser Film. NDR Autor Klaus Balzer hat u. a. einen Anästhesisten-Kongress auf Sylt besucht. Mehr als 1.000 Mediziner wurden schon am Eingang zum Kongress von einem wuchtigen Infostand eines Pharma-Riesen empfangen, auch mit Werbegeschenken. Kugelschreiber, Taschen, Schreibblöcke – alles versehen mit dem Aufdruck des Medikamentes, an das sich die Ärzte in der Praxis erinnern sollen. Viele Ärzte griffen bei den Geschenken zu.

      „Man darf die Wirkung dieser Werbekampagnen nicht unterschätzen“, warnt Prof. Arnold Ganser, Chefarzt der Onkologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Er selbst hatte sich früher von Pharmaunternehmen zu solchen Kongressen einladen lassen, bis er merkte, dass dahinter ein fragwürdiges System steckt.

      Mittlerweile engagiert sich Ganser in der pharmakritischen Mediziner-Organisation MEZIS („Mein Essen zahl ich selbst“) und Pharmavertreter haben auf seiner Station keinen Zutritt mehr.

      Konzerne lassen sich ihre Kampagnen viel kosten: So sind die Marketingetats oft dreimal höher als die Investitionen in die Forschung. Zudem erhielten Ärzte, die neuartige Medikamente verschreiben, mitunter für die Beobachtung der Wirkung eines Medikaments bis zu 600 Euro pro Patient. „Allein dafür, dass sie einen von der Industrie erstellten, völlig nutzlosen Beobachtungsbogen ausfüllen“, moniert Prof. Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

      2012 hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass sich Kassenärzte, die z. B. Geld als Gegenleistung für die Verschreibung von Arzneimitteln nehmen, nicht der Bestechung strafbar machen. Grund: Kassenärzte seien keine Amtsträger wie Beamte oder angestellte Ärzte von Universitätskliniken, insofern greife hier das Strafgesetzbuch nicht. Der BGH hat den Gesetzgeber aber aufgefordert, entsprechende Regelungen auch für niedergelassene Ärzte zu schaffen – bisher ohne Ergebnis.

      alpha-fokus: Medizin - dein Freund und Helfer?

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