• 18.10.2016
      07:50 Uhr
      MENSCH LEUTE Die Ammer-Allianz - Zwei Singvogelretter im Einsatz | SR Fernsehen
       

      In Deutschland wird er teuer geschützt, in Frankreich teuer gegessen: Der Ortolan, auch Gartenammer genannt. Nur noch ein paar wenige Brutreviere nennt er in Deutschland sein Eigen - und diese werden mit aufwändigen Schutzprogrammen und viel Herzblut geschützt. Doch immer weniger Vögel schaffen es aus ihren Winterquartieren zurück. Zu Tausenden wird der Ortolan auf dem Durchzug in Frankreich gefangen, um ihn zur "Fettammer" zu mästen und für viel Geld an Gourmets unter der Hand zu verkaufen.

      Dienstag, 18.10.16
      07:50 - 08:20 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      In Deutschland wird er teuer geschützt, in Frankreich teuer gegessen: Der Ortolan, auch Gartenammer genannt. Nur noch ein paar wenige Brutreviere nennt er in Deutschland sein Eigen - und diese werden mit aufwändigen Schutzprogrammen und viel Herzblut geschützt. Doch immer weniger Vögel schaffen es aus ihren Winterquartieren zurück. Zu Tausenden wird der Ortolan auf dem Durchzug in Frankreich gefangen, um ihn zur "Fettammer" zu mästen und für viel Geld an Gourmets unter der Hand zu verkaufen.

       

      In Deutschland wird er teuer geschützt, in Frankreich teuer gegessen: Der Ortolan, auch Gartenammer genannt. Nur noch ein paar wenige Brutreviere nennt er in Deutschland sein Eigen - und diese werden mit aufwändigen Schutzprogrammen und viel Herzblut geschützt. Doch immer weniger Vögel schaffen es aus ihren Winterquartieren zurück. Zu Tausenden wird der Ortolan auf dem Durchzug in Frankreich gefangen, um ihn zur "Fettammer" zu mästen und für viel Geld an Gourmets unter der Hand zu verkaufen. Obwohl der Fang von Singvögeln laut EU-Vogelschutzrichtline auch in Frankreich illegal ist, servieren Spitzenköche ihn dort immer noch als teure Spezialität. Besonders in der Gegend von Bordeaux werden jedes Jahr auf dem Herbstzug Schätzungen zufolge 30.000 bis 40.000 Ortolane von heimischen Bauern gefangen und gemästet, anschließend in Armagnac ertränkt und als besondere Delikatesse verkauft.

      Die Ornithologin Petra Bernardy will dabei nicht mehr hilflos zusehen. Sie hat beschlossen zu handeln und macht sich auf die Reise nach Frankreich, um ihren Schützlingen vor Ort zu helfen. Zusammen mit dem "Komitee gegen den Vogelmord" und dem erfahrenen Vogelschützer Willi Schuppert aus der Pfalz, will sie möglichst vielen Wilderern das Handwerk legen. Willi hat bei seinen Einsätzen schon viel erlebt - nicht nur Angenehmes. Aber für seine Berufung nimmt er das gerne in Kauf.

      Vor mehr als 20 Jahren ist Petra Bernardy ins Wendland gezogen, um sich mit ganzer Kraft dem Ackervogelschutz zu widmen. Der Ortolan liegt ihr dabei besonders am Herzen, dessen Lebensräume durch Monokulturen und die moderne Landwirtschaft immer weiter zerstört werden. Dabei gehörte die kleine Ammer über Jahrhunderte zur typischen deutschen Kulturlandschaft - ihr schmetterndes "di-di-di-dah" soll sogar Ludwig van Beethoven zum berühmten Anfangsakkord seiner Fünften Symphonie inspiriert haben. Im Wendland konnte eines der letzten Brutgebiete in Deutschland erhalten werden, auch dank Petra Bernardys unermüdlichen Engagements für den seltenen Sänger. Doch auch der verbliebene Bestand ist in Gefahr.

      Um aus dem niedersächsischen Brutgebiet ins westafrikanische Winterquartier zu gelangen, fliegt der kleine Vogel über Frankreich und wird dort, am Fuße der Pyrenäen, von Wilderern abgefangen. Seit Jahrhunderten ist Ortolan eine Delikatesse im Nachbarland - und solange dort die Fangzahlen steigen, läuft der teure Artenschutz in Deutschland ins Leere. Jahrelanges Engagement wird somit zunichte gemacht. Petra Bernardy macht sich auf den Weg nach Südwestfrankreich, um dort den Pfälzer Willi Schuppert und weitere Vogelschützer vom "Komitee gegen den Vogelmord" zu unterstützen. Die Aktivisten sind seit vielen Jahren in mehreren Mittelmeerländern aktiv, um gegen die illegale Jagd auf Zugvögel zu kämpfen.

      Auf den Feldern suchen Petra und Willi die Fallen und Fanganlagen. In diesen sitzen verängstigte Lockvögel - andere Ortolane, die die Neuankömmlinge anködern sollen. Finden sie und ihre Mitstreiter welche, befreien sie bereits gefangene Vögel aus den Fallen und die Lockvögel aus ihren Käfigen. Dabei müssen sie mit größter Vorsicht vorgehen - nicht selten sind die Bauern wütend und oft auch gewaltbereit. Kein Wunder - geht es hier doch um viel Geld. Bis zu 150 Euro bekommen die Wilderer für einen lebend gefangenen Ortolan; gemästet und zubereitet als "Fettammer" verlangen Spitzenköche sogar bis zu 500 Euro für ein Menü. Das alles ist verboten - doch scheinen die EU-Gesetze die Delikatesse noch beliebter zu machen.

      In "Mensch Leute" erzählen die Filmemacher Geschichten, die sich hinter den Kulissen des scheinbar Alltäglichen ereignen - und die man so kaum für möglich halten würde. Das Spannende, Unerwartete, Kuriose und Überraschende hinter der ganz normalen Alltagsgeschichte gilt es zu entdecken. Ob millionenschwerer Rentner, der sein Erbe verschenkt, oder totgesagter Fixer, der zum gefeierten Triathleten wird: Die Geschichten, die "Mensch Leute" erzählt, klingen oft unglaublich, stammen aber aus dem ganz normalen Leben.

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      07:50 - 08:20 Uhr (30 Min.)
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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 23.08.2017