• 06.10.2017
      22:00 Uhr
      Nachtcafé Schmerz lass nach - leben mit dem Leiden | SWR Fernsehen RP
       

      "Schmerz lass nach", wünscht sich jeder vierte Deutsche. Es sticht im Rücken, es hämmert im Kopf, es pocht im Zahn - wer chronische Schmerzen hat, quält sich durchs Leben. Etwa 15 Millionen Menschen leiden unter dauernden oder wiederkehrenden Schmerzen - und das in einer hochtechnisierten Welt, in der Milliarden für die Gesundheit und den medizinischen Fortschritt ausgegeben werden. Schmerzmittel gehören mittlerweile für viele Menschen zum Alltag, etwa zwei Millionen Deutsche sind medikamentenabhängig. Woher kommt der hemmungslose Griff zur Tablette? Betroffene und Experten kommen in der Sendung zu Wort.

      Freitag, 06.10.17
      22:00 - 23:30 Uhr (90 Min.)
      90 Min.

      "Schmerz lass nach", wünscht sich jeder vierte Deutsche. Es sticht im Rücken, es hämmert im Kopf, es pocht im Zahn - wer chronische Schmerzen hat, quält sich durchs Leben. Etwa 15 Millionen Menschen leiden unter dauernden oder wiederkehrenden Schmerzen - und das in einer hochtechnisierten Welt, in der Milliarden für die Gesundheit und den medizinischen Fortschritt ausgegeben werden. Schmerzmittel gehören mittlerweile für viele Menschen zum Alltag, etwa zwei Millionen Deutsche sind medikamentenabhängig. Woher kommt der hemmungslose Griff zur Tablette? Betroffene und Experten kommen in der Sendung zu Wort.

       

      Die Deutschen bekommen mehr Schmerzmittel verschrieben als je zuvor, seit kurzem darf ein Arzt auch Cannabis auf Rezept verordnen. Wer bereits eine lange Behandlungs-Odyssee hinter sich hat, greift in seiner Verzweiflung nach dem letzten Strohhalm und kann dabei auch auf gefährliche, selbsternannte Heiler stoßen. Sie locken in einem ausufernden Therapie-Dschungel mit windigen Heilmethoden. Am Ende ist der Patient viel Geld, aber nicht den Schmerz los. Auch Selbstmedikation spielt eine immer größere Rolle, statt Fachärzten wird Dr. Google um Rat gefragt. Genau hier wittert die Pharmaindustrie neue Absatzmärkte jenseits der Rezeptpflicht. Was können Schmerzkliniken leisten, welche Rolle spielen Selbstheilungskräfte, braucht man für jedes Symptom gleich eine Pille?

      • Monika Baumgartner ging 15 Jahre mit höllischen Schmerzen durchs Leben, konnte sich teils kaum noch bewegen. Die "Bergdoktor"-Schauspielerin pilgerte vergeblich von Arzt zu Arzt. Nie wurde ihr richtig zugehört, zeitweise wurde sie gar zur Simulantin erklärt. Bis schließlich ein Tumor entdeckt wurde: "Als das Geschwür aus meiner Leiste entfernt wurde, fing mein Leben ein zweites Mal an. Ich bin so froh, dass dank meiner Hartnäckigkeit endlich die Ursache gefunden wurde."

      • Bei Michael Mross schlug 2016 das Schicksal bitter zu. Damals saß der TV-Börsenexperte in einem Straßencafé in Sri Lanka, als plötzlich ein Auto auf ihn zuraste. Aufgewacht ist er in einem Provinzkrankenhaus - unter unvorstellbaren Schmerzen, denn bei dem Unfall hat der Finanzexperte Bein und Arm verloren: "Es war die Hölle. Ich habe wirklich ständig gebetet, dass diese Schmerzen irgendwann nachlassen." Bis heute leidet er unter Phantomschmerz-Attacken.

      • Als Eishockeyprofi hat sich Stefan Ustorf freiwillig entschieden, viele Schmerzen zu ertragen. In seiner 21-jährigen Karriere erlitt er zahllose Verletzungen: "Ich habe wenig Rücksicht auf mich selbst genommen. Es war mir egal, ich wollte erfolgreich sein." Mit den Berliner Eisbären wurde er sechs Mal Deutscher Meister, doch der Preis war hoch. Denn Ustorf lief auch mit gerissenen Bändern, gebrochenem Handgelenk und kaputter Schulter aufs Eis. Eine schwere Gehirnerschütterung sorgte für ein endgültiges Karriere-Aus.

      • Was es für eine Mutter bedeutet, wenn das eigene Kind furchtbare Schmerzen aushalten muss, weiß Annette Bartnicki. Ihre Tochter musste in ihrem kurzen Leben bislang nicht nur viele OPs über sich ergehen lassen, die Zehnjährige trägt auch einen sogenannten Fixateur. Damit sich Janas Knochen und Bänder dehnen, wurden in ihr Bein Schrauben eingebracht, die täglich von außen gedreht werden müssen. Dies zerreißt ihrer Mutter immer fast das Herz: "Ich glaube, es ist für mich fast schmerzhafter als für Sie. Ich weine ganz oft mit."

      • Seit ihrer Kindheit sind Kopfschmerzen Birgit Spenglers ständige Begleiter. Seit 15 Jahren äußern sie sich in massiven Attacken, so dass Birgit Spengler völlig außer Gefecht gesetzt ist: "Trotzdem wollte ich mir möglichst nie etwas anmerken lassen. Ich hatte ja auch eine führende Rolle in dem Unternehmen, da wollte ich mir keine Blöße geben." Zwar brachte eine Sauerstoff-Therapie Besserung, dennoch waren die Clusterkopfschmerzen so heftig, dass sie schließlich ihren geliebten Beruf aufgeben musste.

      • Der Palliativmediziner Prof. Dr. Sven Gottschling hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, kranken Menschen Schmerzen zu nehmen und ihnen mehr Lebensqualität zu geben. Der Chefarzt ist überzeugt, dass es viel zu viele Schmerzpatienten gibt, die völlig unzureichend versorgt sind: "Der Schmerz wird auch von den Profis immer noch stiefmütterlich behandelt. Und häufig behandeln sie völlig falsch". Zudem fordert er generell ein Verbot von frei verkäuflichen Schmerzmitteln.

      "Nachtcafé": Seit der ersten Ausstrahlung 1987 bietet die Sendung facettenreiche Diskussionen und Geschichten, die das Leben schreibt. Sie bringt Woche für Woche unterschiedlichste Lebenswelten zusammen und sieht sich als Ort des Austauschs aller gesellschaftlichen Gruppen. Fragen zu Liebe, Beziehung und Familie, zu Gesundheit und Moral oder auch existenzieller Art stehen im Mittellpunkt - sei es der berufliche Absturz, eine Behinderung, eine unglückliche Liebe, sei es eine späte Vaterschaft, der Erfolg über Nacht oder die Lebensfreude im Alter. Jeder Gast berichtet aus seiner persönlichen Perspektive. Im E-Werk in Baden-Baden unterhalten sich talkunerfahrene Gäste, Prominente und Experten auf Augenhöhe miteinander. Michael Steinbrecher moderiert sein 2015 das 90-minütige Format, das wöchentlich bundesweit etwa eine Million Zuschauer erreicht. Geradlinig und einfühlsam filtert er aus jeder individuellen Runde und Fragestellung die Essenz für die Zuschauerinnen und Zuschauer heraus.
      Michael Steinbrecher ist TV-Journalist und seit 2009 Professor für Fernseh- und Crossmedialen Journalismus an der TU Dortmund. Er bekam viele Preise und Auszeichnungen, darunter den Adolf-Grimme-Preis.

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      22:00 - 23:30 Uhr (90 Min.)
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