• 19.09.2017
      22:15 Uhr
      Dolce vita in der DDR Ein Elbdampfer voller Exoten | MDR FERNSEHEN Mediathek
       

      Kurz vor dem Ende der DDR versammelte sich eine Schar bunt kostümierter Lebenskünstler aus Dresden zu einer der verrücktesten Dampferfahrten in der Geschichte des Landes. Die Dokumentation trifft die Akteure von damals und nutzt die Aufzeichnungen der Staatssicherheit, die an Bord fleißig mithörte und -feierte. Fotos, Filme, Protokolle und die lebendigen Erinnerungen der "Träumer" ermöglichen die Rekonstruktion einer der ungewöhnlichsten Partys des Ostens.

      Dienstag, 19.09.17
      22:15 - 22:58 Uhr (43 Min.)
      43 Min.

      Kurz vor dem Ende der DDR versammelte sich eine Schar bunt kostümierter Lebenskünstler aus Dresden zu einer der verrücktesten Dampferfahrten in der Geschichte des Landes. Die Dokumentation trifft die Akteure von damals und nutzt die Aufzeichnungen der Staatssicherheit, die an Bord fleißig mithörte und -feierte. Fotos, Filme, Protokolle und die lebendigen Erinnerungen der "Träumer" ermöglichen die Rekonstruktion einer der ungewöhnlichsten Partys des Ostens.

       

      Am 27. April 1986 legt an der Brühlschen Terrasse in Dresden ein Schaufelraddampfer ab und fährt mit 300 ausgelassenen Menschen in Richtung Sächsische Schweiz und wieder zurück. Schon morgens 7 Uhr treffen sich die Mitarbeiter der Staatssicherheit, um den Einsatz auf dem Schiff zu besprechen. Der Dampfer wurde offiziell gemietet für eine private Feierlichkeit. Das klingt harmlos. Doch die Mitarbeiter der Staatsicherheit wissen, dass dieses Schiff nicht nur mit Bockwurst und Blasmusik die Elbe hoch und runter schippert. Eine Stasiakte hat fast jeden Gast, jedes Ereignis an Bord dokumentiert. Das "Schiff der Träumer" wird aber nicht nur durch diese Aufzeichnungen real und greifbar.

      Bis heute lebt die wilde fantastische Fahrt fort in den Köpfen der Mitreisenden. 300 DDR-Bürger spielen 24 Stunden lang, sie wären in Italien. Sie zelebrierten jedes Klischee vom italienischen Dolce vita mitten im Tal der Ahnungslosen. Es gibt Eiskugeln, viel roten Wein, Brot, Käse, Musik und italienische Gesänge. Die ersten sind schon beim ersten Stopp in Dresden Pillnitz so verschlungen im Rollenspiel als Italiener, dass so manches Pärchen das erneute Ablegen verpasst und mit einer Flasche Wein in der Wiese liegen bleibt. Der König des Schiffes ist Kristian Wegscheider, ein Orgelbauer. Barocke Lebenslust, mediterrane Träume und viel Fernweh hatten ihn dazu gebracht ein Schiff voller Menschen zu laden und los zu fahren in eine gemeinsame Sehnsuchtswelt.

      Dem ersten "Schiff der Träume" folgen weitere. Immer begehrter werden die Plätze auf dem ungewöhnlichen Dampfer. 1988 geht er dann mit dem Motto "Lila- der letzte Versuch" tatsächlich ein letztes Mal in der DDR auf diese Phantasiereise. Alle kleiden sich violett, veilchenblau oder in dezenter Fliederfarbe. Man schlürft Rotkäppchensekt und rezitiert französische Gedichte. "Alle Frauen haben geheult", erinnert sich Kristian Wegscheider, ".weil die Stimmung so poetisch-traurig war." Abschließend gab's ein riesiges Obstbuffet finanziert von der "Ständigen Vertretung der BRD". "Da zeigte sich aber schon die egoistische ,Drängelmentalität'. Die haben sich gegenseitig die Bananen aus der Hand gehauen, dass man nur staunen konnte."

      Die Dokumentation über eine der wohl ungewöhnlichsten Feten des Ostens setzt auf die Akteure von damals und auch auf die Aufzeichnungen der Staatssicherheit, die mit an Bord war und fleißig mithörte und -feierte. Fotos, Filme, Protokolle und die lebendigen Erinnerungen der "Träumer" ermöglichen die Rekonstruktion des Unvorstellbaren.

      Film von Hendrike Sandner

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      Dienstag, 19.09.17
      22:15 - 22:58 Uhr (43 Min.)
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