• 24.02.2016
      00:05 Uhr
      Lichtmaler - Schattenspieler Der Kameramann John Alton - Ein Porträt | WDR Fernsehen
       

      Der Kameramann John Alton gilt längst als einer der ganz großen Virtuosen im Umgang mit Licht und Schatten, der am Ende seines Lebens selbstbewusst von sich sagen konnte: "Entweder war ich der beste Kameramann oder ich bin der größte Lügner." Dazu passt, dass der Spezialist für hochstilisierte, kontrastreiche Schwarzweiß-Bildkompositionen im Genre des "Film noir" seinen einzigen "Oscar" 1951 ausgerechnet für die opulente Farbphotographie der Ballettsequenz aus "Ein Amerikaner in Paris" erhielt.

      Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 24.02.16
      00:05 - 00:50 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Der Kameramann John Alton gilt längst als einer der ganz großen Virtuosen im Umgang mit Licht und Schatten, der am Ende seines Lebens selbstbewusst von sich sagen konnte: "Entweder war ich der beste Kameramann oder ich bin der größte Lügner." Dazu passt, dass der Spezialist für hochstilisierte, kontrastreiche Schwarzweiß-Bildkompositionen im Genre des "Film noir" seinen einzigen "Oscar" 1951 ausgerechnet für die opulente Farbphotographie der Ballettsequenz aus "Ein Amerikaner in Paris" erhielt.

       

      Stab und Besetzung

      Der Kameramann John Alton gilt längst als einer der ganz großen Virtuosen im Umgang mit Licht und Schatten, der am Ende seines Lebens selbstbewusst von sich sagen konnte: "Entweder war ich der beste Kameramann oder ich bin der größte Lügner." Dazu passt, dass der Spezialist für hochstilisierte, kontrastreiche Schwarzweiß-Bildkompositionen im Genre des "Film noir" seinen einzigen "Oscar" 1951 ausgerechnet für die opulente Farbphotographie der Ballettsequenz aus "Ein Amerikaner in Paris" erhielt.

      Anfang der 60er Jahre hatte John Alton nach nahezu 100 Spielfilmen abrupt dem Filmgeschäft den Rücken gekehrt und sich mit seiner Frau auf Reisen begeben, die ihn rund um die Welt führten. Als der Verschollene nach mehr als drei Jahrzehnten im Alter von 92 Jahren wieder ins Licht der Öffentlichkeit trat, kehrte einer der bedeutendsten Kameraleute zurück, die je in Hollywood gearbeitet haben. Auf Filmfestivals in Telluride, Wien und New York wurde Alton mit Retrospektiven seiner wichtigsten Filme enthusiastisch gefeiert und mit längst überfälligen Preisen für sein Lebenswerk geehrt.

      1901 in Ungarn als Johann Altmann geboren, emigrierte Alton 1919 in die USA, studierte in New York Photochemie und versuchte 1924 sein Glück in Hollywood, wo er zunächst im Labor und dann im Camera Department von MGM arbeitete. Vier Jahre später wurde er zu Außenaufnahmen in die Hauptstädte Europas geschickt, drehte u. a. Hintergründe für Lubitsch und die Garbo und wurde Chef der Kamera-Abteilung der Joinville Studios in Paris. 1932 folgte Alton einer Einladung nach Argentinien, wo er maßgeblich am Aufbau einer nationalen Filmindustrie, den Lumiton Studios bei Buenos Aires, beteiligt war. Nach sieben Jahren und einem guten Dutzend Filmen kehrte Alton 1939 nach Hollywood zurück und wurde dort Chefkameramann. Es war der eigentliche Beginn seiner einzigartigen Karriere.

      Alton drehte in den 40er Jahren zunächst vor allem B-Pictures für RKO, Republic, Monogram. Kein Studio war zu klein, keine Drehzeit zu knapp, kein Genre oder Stoff zu banal für ihn. Bis 1947 waren das etwa 30 Filme. Bei Eagle-Lion, einer kleinen Firma, die sich auf die Produktion von halbdokumentarischen Kriminalfilmen spezialisiert hatte, begann dann seine Zusammenarbeit mit Regisseur Anthony Mann und damit ein neues Kapitel in der Geschichte des amerikanischen Kinos: "T-Men", "Raw deal", "He walked by night", Border incident", "Reign of terror", fünf ihrer sechs gemeinsamen Arbeiten machten den "Film noir" zum Begriff. In ihnen entwickelte John Alton die Markenzeichen seiner unverwechselbaren Kameraarbeit zur Perfektion: Low-Key-Photographie, Tiefenschärfe und ein Schwarz, das alles zu verschlingen droht.

      Authentische Schauplätze und eine stilisierende, kontrastreiche Lichtgebung waren für die Atmosphäre seiner Filme immer wichtiger geworden. Orientiert am "tenebroso"-Stil alter Meister wie Caravaggio und Rembrandt malte auch Alton mit Licht und realisierte seine besten Arbeiten für Anthony Mann, John Sturges, Robert Florey, Steve Sekely oder Joseph H. Lewis ganz unverwechselbar mit nahezu 100 Prozent natürlichem Licht. Der Titel seines 1949 veröffentlichen Handbuchs war Programm: "Painting With Light". 1995, nur ein Jahr vor Altons Tod, wurde dieses berühmte Standardwerk neu aufgelegt.

      John Alton war durchaus schwierig und unangepasst, seine unkonventionellen Arbeitsmethoden machten ihn nicht unbedingt beliebt. Er arbeitete effektiv und schnell, viel zu schnell, wie viele seiner Kollegen meinten - bis zu 10 Filme pro Jahr. Die Produzenten wussten das zu schätzen, doch die Konflikte, die er mit Technikern und Gewerkschaftlern auszutragen hatte, waren nicht weniger legendär. Auf Fürsprache von Vincente Minnelli, für den er fünf Filme photographierte, kam Alton 1950 zurück zu MGM. 1951 wurde er mit dem "Oscar" belohnt und drehte fünf weitere Filme für Richard Brooks und nebenher bei RKO sieben Western, aber auch Abenteuer- und Gangsterfilme für den Regie-Veteranen Allan Dwan.

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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 25.09.2016